Pruzzische Erinnerungsspuren in Olsztyn und Umgebung

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Die Folge der Eroberung des Landstrichs, auf dem später Olsztyn entstand, durch den Kreuzritterorden, war die Christianisierung und die etappenweise Kolonisierungsaktion. Nach Jahrhunderten von Kriegen, Epidemien und Massenumsiedlungen blieben von den ursprünglichen Bewohnern dieser Gebiete – den Pruzzen – lediglich vereinzelte Erinnerungsspuren.

Die letzten Gruppen der pruzzischen Bevölkerung verschwanden höchstwahrscheinlich in den Jahren 1709-11 infolge der großen Pestepidemie, die ein Drittel der Landbevölkerung tötete. Folglich starb auch die bis dahin vorhandene pruzzische Sprache. Es blieben nur die zahlreichen Namen physiographischer Objekte und Ortschaften.


Die Namen sprechen eine vergessene Sprache

Die gegenwärtige Bezeichnung des Flusses, an dem die Stadt Olsztyn gegründet wurde – Łyna – entstammt in gerader Linie dem pruzzischen Namen Alna (es bedeutete Hinde, pl. „łania”). Ursprünglich trug die Stadt den Namen Allenstein, dessen Bedeutung am ehesten als die „Burg an der Alle” übersetzt werden kann (denn damals bedeutete im Deutschen das Wort „stein“ eben eine Burg).
Auch der Name Wadąg (Fluss und See) hat pruzzische Wurzeln und hieß ursprünglich Wadangen („wad” = „führen”, „dangus” = „Himmel”). Die Ursprünge der Namensgebung des Sees und des Ortes Kortowo (und selbstverständlich auch des Bachlaufs Kortówka) sind in dem pruzzischen Wort „korto” enthalten, das „Verhau” bedeutet. Die Bezeichnung des Sees Skanda dagegen hat mit dem Verb „ertränken” zu tun. Aus dem Pruzzischen stammen auch die Bezeichnungen der Seen Ukiel und Sukiel.
Dieser Sprache entstammt auch die Wortquelle der Bezeichnungen der Stadtteile von Olsztyn (ehem. umgebender Dörfer) wie z.B.: Dajtki (Deyten), Likusy (Lykkosen), Pozorty (Posorten), Redykajny (Raynkaym) oder Track (Drawsken).


Städte und Spuren früherer Siedlungen

Auch die Bezeichnung des Dorfes Sądyty (Sundythen), das einst auf dem Gebiet des heutigen Stadtwaldes existierte, hat pruzzische Etymologie. In dieser Gegend, in der Windung der Łyna, an ihrem rechten Ufer, blieb eine pruzzische Stadt erhalten, in deren Nähe der Standort einer ausgedehnten Siedlung entdeckt wurde. Archäologische Untersuchungen, die auf dem Gebiet geführt wurden (2006, 2013), brachten zahlreiche interessante Funde hervor. Am gegenüberliegenden Flussufer existierte einmal eine andere Ansiedlung („Burghügel”, pl. „Zamkowe Wzgórze”), von der heute leider keine sichtbaren Spuren geblieben sind.
Nur wenig besser ist das Objekt in Track erhalten, in der Nähe des Trackie-Sees. Einem schleichenden Zerfall unterliegt auch der im 19. Jh. auf der Anhöhe angelegte Familienfriedhof der einstigen hiesigen Gutshofbesitzer. In der Nähe von Łupstych dagegen befindet sich eine Ansiedlung („Alte Schanze”, pl. „Stary Szaniec”), die von der vermutlichen früheren Existenz einer Wachtburg zeugt.
Die Überreste von befestigten Dörfern und Ansiedlungen der Pruzzen kann man ebenfalls in weiterem Umkreis von Olsztyn finden. In Słupy blieben die Fundamente des mittelalterlichen Turms erhalten. In der Nähe des Wadąg-Sees wurden Ansiedlungen in Barczewko und Szypry entdeckt.
Am südlichen Rande der Stadt Olsztyn verdient die Ansiedlung am Kielarskie-See besondere Aufmerksamkeit. Manche Forscher vermuten hier sogar den Standort der Kapitelburg Berting, die in den Quellen von 1341-50 erwähnt wird. Noch heute finden sich hier Überreste des Familienfriedhofs der einstigen Besitzer des benachbarten Gutes. Ebenso finden sich in der Gegend sichtbare Spuren der mittelalterlichen Wälle.


Olsztyn im Zeichen des Pruzzenweibs

Im Innenhof der Olsztyner Burg steht eine unscheinbare steinerne Skulptur, die eine menschliche Gestalt darstellt. Es ist das sog. Pruzzenweib – eines der wenigen ähnlichen erhaltenen Objekte in Ermland und Masuren. Dieses wurde im 19. Jh. in Barciany entdeckt und 1945 nach Olsztyn gebracht. Entgegen der Bezeichnung stellt die Figur einen Mann dar, der in der rechten Hand ein Horn hält und in der linken eine kurze Waffe. Am genauesten wurden die Gesichtszüge gemeißelt, die übrigen Elemente sind stark vereinfacht.
Unter den Theorien zum Entstehungszeitpunkt der Skulptur und deren Funktion befindet sich auch eine, die besagt, dass wir es mit einer originellen Darstellung einer altpruzzischen Gottheit oder eines altpruzzischen Helden zu tun haben. Zweifellos entstammt die Skulptur aber dem Mittelalter.
Seit 2011 feiert das Olsztyner Pruzzenweib immer größeren Erfolg und wird immer mehr zum Symbol der Stadt Olsztyn, ja sogar der gesamten Region. Diverse Darstellungsformen fungieren als Reisesouvenirs und großformatige Kopien nehmen an Werbekampagnen der Stadt teil.

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